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Recht & Steuern

Betreuungsleistungen im Fokus

Das Wechselmodell und seine Auswirkungen

Wer kommt zu welchen Anteilen bei getrennt lebenden Eltern für die Betreuung des Kindes auf? Symbolfoto: GettyImages
Wer kommt zu welchen Anteilen bei getrennt lebenden Eltern für die Betreuung des Kindes auf? Symbolfoto: GettyImages
Täglich neue Änderungen im weiten Dschungel der Rechtssprechung. Mediator und Fachanwalt für Familienrecht Werner Höck klärt in dieser Woche über das sogenannte Wechselmodell auf.

Als Wechselmodell wird im Familien- und Unterhaltsrecht das Betreuungsmodell von Kindern getrennt lebender Eltern bezeichnet, wenn diese gleich hohe Betreuungsleistungen erbringen. Eine gesetzliche Begriffsbestimmung und Regelung der sich daraus ergebenden Rechtsfolgen fehlt. Ein Wechselmodell liegt noch nicht dann vor, wenn das Kind überwiegend bei einem Elternteil lebt und der andere Elternteil Betreuungsleistungen erbringt, die über das hinausgehen, was üblicherweise bei Wochenendbesuchen an Betreuung geleistet wird. Die Rechtsprechung verlangt, dass die Betreuungsleistungen beider Elternteile sich die Waage halten müssen. Die Betreuungsleistungen beider Eltern dürfen nicht mehr als zehn Prozent vom rechnerischen Mittelwert (50 Prozent) abweichen. Die Frage, ob ein Wechselmodell vorliegt oder nicht, hat gravierende Folgen für die Unterhaltsberechnung.

Liegt kein Wechselmodell vor, hat der Elternteil, der die geringeren Betreuungsleistungen erbringt, den vollen finanziellen Unterhaltsbedarf des Kindes zu decken. Bei einem Wechselmodell haben dagegen beide Elternteile für den Unterhalt des Kindes aufzukommen. Die weit verbreitete Auffassung, die Eltern würden keinen Kindesunterhalt schulden, weil das Kind bei beiden Elternteilen jeweils zur Hälfte wohnen würde, ist falsch.
Wie bei dem Unterhalt nicht privilegierter volljähriger Kinder, deren Unterhaltsbedarf ja auch von beiden Elternteilen aufgebracht werden muss, wird auch beim Wechselmodell auf das (bereinigte) Gesamteinkommen beider Elternteile abgestellt. Das Gesamteinkommen bestimmt die Höhe des zu deckenden Unterhaltsbedarfs. Von dem Einkommen beider Elternteile ist abzusetzen der Selbstbehalt, der gegenüber minderjährigen Kindern mit 1080,00 Euro angesetzt wird. Denn nur das Einkommen, das über den Selbstbehalt hinausgeht, kann für die Deckung des Unterhaltsbedarfs eingesetzt werden. Dieses nach Abzug des Selbstbehalts verbleibende Einkommen ist das verfügbare Einkommen. Das verfügbare Einkommen beider Elternteile wird zueinander in Relation gesetzt, denn der Elternteil, der über das höhere Einkommen verfügt, soll auch den höheren Anteil des Kindesunterhalts decken. Wegen der Vielzahl der mit dem Wechselmodell einhergehenden Rechtsprobleme ist die Beratung durch einen Anwalt unbedingt geboten. (wb)

Rechtsanwälte
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