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Privatschulen & Internate

Hamburger Privatschulen:

Mehr Zuschüsse, aber immer noch benachteiligt

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) Hamburg begrüßt die Anpassung der Finanzierung, kritisiert jedoch die Berechnungsgrundlage

Privatschulen sind auf die Zufriedenheit von Eltern und Schülern angewiesen. Sie arbeiten eigenständig, effizient und passen sich schnell an neue Entwicklungen an
Privatschulen sind auf die Zufriedenheit von Eltern und Schülern angewiesen. Sie arbeiten eigenständig, effizient und passen sich schnell an neue Entwicklungen an
Rund 10 Prozent aller Hamburger Schülerinnen und Schüler besuchen eine Privatschule. Größter Träger in diesem Bereich ist die katholische Kirche, deren 21 Schulen von rund 9000 und damit von nahezu der Hälfte der insgesamt 20.200 Hamburger Privatschüler besucht werden. Großen Zulauf haben aber auch die fünf Bugenhagenschulen der Evangelischen Stiftung Alsterdorf (sie besuchen rund 1500 Schüler), die ebenfalls evangelische Wichernschule (mit 1600 Schülern) sowie die Rudolf Steiner-Schulen/Waldorfschulen (mit circa 3500 Schülern).

Hamburgs Privatschulen erhalten nach Angaben des Senats von der Hansestadt Hamburg seit 2011 einen Zuschuss in Höhe von rund 85 Prozent der Kosten, die das staatliche Schulsystem erfordert. Was ihnen an Geld fehlt, müssen die Privatschulen durch Elternbeiträge – sie können 200 Euro pro Monat ausmachen – oder durch kostengünstigere Organisation – zum Beispiel größere Schulklassen als in den staatlichen Schulen – ausgleichen.

Evangelischen Stiftung Alsterdorf
Nun gibt es mehr Geld für die Privaten. Wie der Senat im September mitteilte, können sie sich 2018 und 2019 über deutlich höhere Zuschüsse freuen. Grund dafür seien Verbesserungen bei den staatlichen Schulen, die jetzt auf die Privatschulen ausgeweitet würden. Dazu zählten mehr Zuschüsse für Schulgebäude, eine bessere Finanzierung der Ganztagsbetreuung und eine höhere Beteiligung an den Personalkosten. Das Plus an Unterstützung würde sich auf eine Gesamtsumme von rund acht Millionen Euro pro Jahr addieren. Darüber hinaus könnten die Privatschulen in den nächsten Jahren rund 25,5 Millionen Euro aus Bundes- und Landesprogrammen für die Verbesserung ihrer Schulen bekommen. Dazu Schulsenator Ties Rabe: „Wie im staatlichen Schulsystem liegt Hamburg auch bei der Finanzierung der Privatschulen bundesweit ganz vorn. Das zeigt, dass Bildung eines der wichtigsten Handlungsfelder des Senats ist.“
Aufseiten der Privatschulen sieht man die Dinge weniger euphorisch. In einer Stellungnahme auf ihrer Website begrüßt die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) Hamburg zwar den „Schritt der Schulbehörde hin zu einer angemessenen Anpassung der Grundfinanzierung des freien Schulsystems in der Hansestadt“, bemängelt jedoch, dass die Finanzierung der Privatschulen auf der Grundlage falscher Berechnungen erfolge. Tatsächlich betrage die derzeitige Finanzhilfe nämlich nicht 85 Prozent, sondern lediglich 65 bis 67 Prozent der tatsächlichen Kosten eines staatlichen Schülers. Daher bleibe bei der öffentlich kommunizierten Erhöhung der Zuschüsse für die Privatschulen um etwa fünf Prozent eine deutliche Unterfinanzierungslücke bestehen.“ Zu den aus ihrer Sicht fehlerhaften Berechnungen seitens der Behörde schreibt die AGFS Hamburg: „Das Hamburgische Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft sieht vor, dass sich die Privatschulfinanzierung an den tatsächlichen Schülerjahreskosten der staatlichen Schulen orientieren soll. Dies wird so derzeit nicht gehandhabt. Die Schulbehörde berechnet derzeit eine Mischung aus eigenen – also tatsächlichen – Kosten und fiktiven Kosten der Privatschulen.“ Auch den Verweis des Schulsenators auf die führende Position Hamburgs bei der Finanzierung der Privatschulen sehen die hiesigen Privatschulen kritisch. „Die Refinanzierung der freien Schulen sollte sich unseres Erachtens an dem orientieren, was die Stadt selbst für ihre Schulen ausgibt, nicht am Vergleich mit anderen Bundesländern“, heißt es in der Stellungnahme der AGFS Hamburg. mh

Über die AGFS Hamburg

Die folgenden Schulträger haben sich zur Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Hamburg zusammengeschlossen: die Katholische Schulen im Erzbistum Hamburg, der Arbeitskreis Evangelische Schulen (Bugenhagenschulen), die Landesarbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen und der Verband Deutscher Privatschulen (VDP). Die AGFS versteht es als ihre Aufgabe, auf das vielfältige Angebot der konfessionellen und pädagogischen Profilierungen ihrer Mitglieder aufmerksam zu machen. Zudem vertritt die Arbeitsgemeinschaft die politischen Interessen ihrer Mitglieder – insbesondere mit Blick darauf, „dass Ersatzschulen ein elementarer, grundgesetzlich erwünschter Bestandteil des öffentlichen Bildungswesens sind“.

Adressen im Web

• Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS) Hamburg: agfs-hamburg.de
• Katholische Schulen im Erzbistum Hamburg: kseh.de
• Arbeitskreis Evangelische Schulen (Bugenhagenschulen): bugenhagen-schulen.de
• Landesarbeitsgemeinschaft der Rudolf Steiner Schulen in Hamburg (Waldorfschulen): waldorfpaedagogikhamburg.de
Hamburger Privatschulen: Image 1
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