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Niendorfer Pfadfinderstamm Lykàmedas: In eine andere Welt eintauchen

Die starken Mädchen vom Pfadfinderstamm Lykàmedas

Auf den Heimabenden wird viel geredet Fotos: mf  
Auf den Heimabenden wird viel geredet Fotos: mf

  
Aus Louise wird Kiamï, wenn sie das verwunschene Landarbeiterhäuschen im Niendorfer Gehege betritt. Ihr und den anderen Pfadfinderinnen vom Stamm Lykàmedas ist Gemeinschaft wichtiger als Klamotten und Co. Rund 120 Mädchen gehören zu dem Pfadfinderinnenstamm, der 2015 das Häuschen im Gehege bezogen hat. „Wir schaffen alleine ganz viel, wir sind nicht schwach!“ erklärt Anne Tönnies, Leiterin der Gruppe Kapulîar, warum sie es schätzt, hier nur unter Mädchen zu sein.
  
  
Praxis Dr. med. Monika Falcke
 
 
Der Stamm Lykàmedas hat 2015 das Landarbeiterhäuschen bezogen
Der Stamm Lykàmedas hat 2015 das Landarbeiterhäuschen bezogen
In der Schule merken viele ihrer 13-jährigen Gruppenmitglieder, dass Mädchen weniger zugetraut wird: „Nur Jungs dürfen Tische tragen“, beobachtet Peaches, die im wirklichen Leben Julia heißt. „Man ist es oft schon gewohnt, anders behandelt zu werden“, ergänzt Stella mit dem Pfadfindernamen Pilani. Ihre Namen, aber auch die Kluft sind den Mädchen wichtig: „Hier ist man eine andere Person in einer anderen Welt. Man kann seine Probleme Zuhause lassen“, erzählt Femke, die hier Antěro heißt.

  
  
Gruppenleiterin Anne Tönnies (22) vor dem großen Stammbaum Fotos: mf
Gruppenleiterin Anne Tönnies (22) vor dem großen Stammbaum Fotos: mf
Auf ihrem wöchentlichen Treffen, dem Heimabend, wird viel gemeinsam gesungen. Und geredet: „Wir geben uns ein Update vom Leben“, fasst Kiamï zusammen. Alle tragen ihre Kluft, ein blaues Hemd und ein Halstuch. Markenklamotten und Statussymbole sollen nicht zu Ungleichheit führen. „Außerdem könnte eine Bluse schmutzig werden oder Feuer fangen“, lacht Anne. Denn wenn die Mädchen auf Fahrt gehen, ihr Zelt im Wald aufbauen und Feuer machen, müssen alle anpacken. Handys bleiben dann Zuhause. „Ich habe auch gar kein Verlangen, darauf zu gucken“, erzählt Pilani. Auch Uhren bleiben zurück: „Wir essen, wenn wir Hunger haben und schlafen, wenn wir müde sind. Das ist ein unbefangenes, freies Leben“, schwärmt Anne.
  

„Wir essen, wenn wir Hunger haben und schlafen, wenn wir müde sind.“

Anne Tönnies

Die Gemeinschaft steht für die Mädchen ganz oben. Ihnen ist es wichtig, aufeinander zu achten und sich gegenseitig zu helfen. Und vielleicht später einmal als Gruppenleiterin weiterzumachen, so wie Anne: „Ich bin hier Mutter, große Schwester und Freundin zugleich.“ mf
  
Pfadfinder- und Pfadfinderinnenbund Nord (PBN), Stamm Lykàmedas, Niendorfer Gehege 27 a. Mädchen ab neun Jahren, die bei den Pfadfinderinnen mitmachen möchten, können Kontakt mit Anne Tönnies unter anne.toennies@yahoo.de aufnehmen. Weitere Infos beim PBN, Tel. 59 97 07, info@pbn.de
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