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Ski - Das Magazin für alle, die Winterurlaub lieben

Wo alle Spaß haben können

Ski fahren mit Kindern ist nicht das Gleiche wie Ski fahren ohne Kinder. Leidgeprüfte Eltern – insbesondere von ganz jungen Skinovizen – freuen sich daher umso mehr über Skigebiete, welche die Wünsche von Klein und Groß vereinen

Am Kreischberg in der Steiermark gibt es viele Angebote für Familien. Foto: TVB-Region Murau/Ikarus.cc
Am Kreischberg in der Steiermark gibt es viele Angebote für Familien. Foto: TVB-Region Murau/Ikarus.cc
Text: Christian Haas

Wer alleine, mit dem Partner oder Freunden Ski fährt, kann sich aufs Wesentliche konzentrieren: Schnee, Schwünge, Sonnenbad und Jagertee mit Schuss. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, kann sich erst einmal auf wenig anderes konzentrieren. Das Dilemma lässt sich in vier Worten zusammenfassen: Durst, Hunger, Tränen, Klo. Aber, liebe Eltern, nicht verzagen: Es gibt Abhilfe. Und zwar in Gestalt von Skigebieten, die die ersten Skiversuche erleichtern, weil sich hier Eltern und Kinder richtig wohlfühlen. Zum Beispiel Lisa und Tim, vier und sechs Jahre alt, die gerade freudestrahlend über die „Eagle Line“ brettern, eine Spaßpiste mit Wellen, Schanzen und Steilkurven. Ihr absolutes Highlight im Gletscherskigebiet Kitzsteinhorn, wo bereits seit Oktober die Lifte surren.

Tags darauf geht es eine Etage tiefer weiter. Auf der von Zell am See erreichbaren Schmittenhöhe wartet der nette Juniorclub mit Schmidolin, dem „coolsten Drachen der Welt“. Diese Eigenwerbung könnte angesichts der Coolness anderer Drachen (Elliot, Drache Kokosnuss) nun einem Faktencheck unterzogen werden, würde nicht ein anderer Superlativ die eigene Aufmerksamkeit beanspruchen: die mit 1300 Metern längste Funslope Österreichs (laut Eigenwerbung gar der ganzen Welt)! Tunnel, Schneeschnecken, ein Laserzeitmesser und Spot-on-Kameras – Lisa und Tim lieben diese Piste. Hey, hier geblieben, ihr zwei …!
  
Obertauern
Von der langen Funslope zu einem fast so langen Namen: Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn. Verständlich, dass die Marketingstrategen für das benachbarte XXL-Skigebiet einen griffigeren Titel gesucht haben. Gefunden haben sie: „Home of Lässig“. Egal. Auf den Inhalt kommt es an: Die in den vergangenen Jahren Stück für Stück fusionierten Areale bieten dank breiter Abfahrten, moderner Lifte und meist idealer Schneeverhältnisse ein tolles Bild, zudem mit familienfreundlichen Farbklecksen. Allein 140 blau markierte Kilometer sind für einen Tagesausflug mit kleinen Kindern zwar definitiv zu viel des Guten, machen einen längeren Aufenthalt mit etwas älteren Kids aber – zugegeben – ziemlich lässig. Was Familienfinanzminister obendrein gut finden: Ab Mitte März fahren Kinder bis 15 Jahre gratis, wenn die Eltern einen Mehrtagesskipass kaufen.
  
Die Skiregion Katschberg in Kärnten ist auf Familien eingestellt. Foto: Tourismusregion Katschberg, Franz Gerdl 
Die Skiregion Katschberg in Kärnten ist auf Familien eingestellt. 
Foto: Tourismusregion Katschberg, Franz Gerdl 
Der Kreischberg in der Steiermark fährt mit dem Dinopark schweres, aber gutmütiges Geschütz auf. Die auf Holz gemalten Dinosaurier sind für viele Kleine ein Hit – und ganz ungefährlich. Ebenso wie die Löwen, denen man auf dem neuen Parcours der „KreiSchi Safari“ begegnen kann. Die Kreischgefahr ist also gering.

Gute Laune verspricht auch das nahe gelegene Lachtal, das seine neue Erlebnis-Area in Sachen Tierwelt bodenständiger hält, aber nicht weniger interessant ist. Ein Highlight: der Teddy-Seillift! Übrigens: Im ganzen Bundesland gibt es 50 von Kindern geprüfte Gaststätten, die mit kreativen Menüs dem Pizza-Pommes-Pasta-Dreiklang den Kampf ansagen.

Der mehrfach ausgezeichnete Klassenprimus im Fach „Familie“ ist jedoch in Tirol zu finden: Serfaus-Fiss-Ladis. Kinderbetreuung für Babys, Restaurants nur für Kids, Klangwald, Skihöhlen, Indianerkulissen, Dinowald, Fun-Areas. Im Murmlipark, am Fisser Berg, wo Fahrgeschäfte wie der Skyswing, Fisser Flieger und der Ganzjahrescoaster namens Schneisenfeger warten, insbesondere aber auf der riesigen Kinderschneealm und in Bertas Kinderland gibt es alles, was das Kinderherz begehrt. Und was es hier nicht gibt, gibt’s nirgends. Ob es Attraktionen wie den Motorschlitten-Parcours für Kinder wirklich braucht, sei zwar dahingestellt. Unbestritten lässt sich auf den über 200 abwechslungsreichen Kilometern fantastisch Ski fahren, unabhängig von Können und Alter.

Oft sind es aber auch ganz einfache Ideen, die weiterhelfen. Schetteregg in Vorarlberg hat sich ein kluges Schilderleitsystem ausgedacht. Igel, Hase, Dachs und Fuchs – alle im Comicstil gezeichnet – verraten den Kindern, welche Skitechniken und Liftarten sie an der jeweiligen Piste beherrschen müssen. Kritische Beobachter mögen einwenden, dass man nicht sämtlichen Tieren blaue Augen hätte verpassen müssen. Andererseits: Blaue Augen sind ja immer schön und Comictiere stets unrealistisch, siehe Walt Disney. Und wer noch dazu ein so schnuckeliges Kinderland mit Kletterhügel und Iglu zu bieten hat, dem verzeiht man eh alles.

Etwa 500 Kilometer weiter östlich, in Kärnten, hat man sich ebenfalls auf kleine Besucher eingestellt. So in der „Familienregion Katschberg“, wo sich die Kleinen in „Katschi‘s Kinderwelt“ vergnügen können. Es handelt sich um eine eigens abgesperrte Kinderpiste, natürlich mit lebensgroßen, lustigen Figuren. Wenn die kleinen Skifahrer einmal eine Pause brauchen, stehen Wärmepavillons zum Ausruhen bereit.

Weder Dinos noch afrikanische Wildtiere, sondern tatsächlich Heidi wartet in dem Ort Falkert darauf, kleinen Gästen den Winterurlaub zu versüßen und das Skilaufen nahezubringen. Auf der „Heidi Alm Falkert“ steht alles im Zeichen der historischen Kinderbuchheldin. Im Heidi Park kann die Bergwelt auf einer Familienwanderung erfahren werden, ein Erlebnispfad führt durch den wildromantischen Zirbenwald. Mehrere Kinderhotels richten sich nach den Bedürfnissen von Familien mit kleinen Kindern. Ist der Nachwuchs hingegen schon im Jugendlichen-Alter und erwärmt sich nicht mehr so für Heidi und Geissenpeter, dann lohnt ein Blick auf das Skigebiet Nassfeld. Mehrere Fun-Park-Areas und Buckelpisten bieten eine Menge Spaß für junge Skifahrer und Snowboarder.

Spaß haben ganz ohne Skier können kleine und große Urlauber auf der Turracher Höhe. In dem Kärntner Skigebiet sorgt der „Nocky Flitzer“ für Geschwindigkeits-Erlebnisse – dabei handelt es sich um eine 1600 Meter lange Alpen-Achterbahn mit 13 Steilkurven. Kinder ab drei Jahren können sie nutzen. Auch Oma und Opa können bei dieser winterlichen Sause dabei sein, denn eine Kabinenbahn bringt Jung und Alt direkt bis zum Einstieg der Achterbahn.

Nicht zuletzt gibt es in Österreich den Böhmerwald, wo die Nachbarländer Deutschland und Tschechien nur eine Skilänge entfernt liegen. Der Ort Hochficht hat einige kluge Elternhilfen in petto: einen überdachten Zauberteppich, ein Familiencafé und Lifteinstiegserleichterungen für Kinder.

Beliebt bei Wintersportfans ist seit jeher auch die Schweiz – nicht zu Unrecht. Einige Skifreunde mit Nachwuchs meiden das Land der Eidgenossen allerdings, denn den Ruf als teures Pflaster genießt es ebenfalls nicht zu Unrecht. Die Schweiz, das heißt: Franken vs. Familiengeldbeutel. Schweiz heißt aber auch: Ruhe vs. Stress.

In Grächen etwa können Kinder dank teilweisem Autoverbot auf den Straßen so sorglos herumflitzen wie auf den sanften Pisten, allen voran im 50.000 Quadratmeter großen Kinderparadies. Hingucker und Hinhörer ist die Märchen-Gondelbahn, in der Geschichten der Brüder Grimm vorgelesen werden. Jeden Montag bietet der SiSu Familienpark einen harten, aber witzigen Kontrast zur Märchenstunde: Kinder- Après-Ski! Jeden Tag geöffnet haben das Schneekarussell, das Iglu-Kino, bei dem lustige Kinderfilme an die Eiswand projiziert werden, sowie vier Zauberteppiche und zwei spezielle Anfängerlifte.

Ganz in der Nähe lockt Saas-Fee, als Ski-Top-Destination weltweit ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass der von Viertausendern umringte Ort auch für Familien eine gute Adresse darstellt: weitgehend autofrei, mit flachen Übungshängen versehen und mitunter für Kinder sogar günstig – wenn man denn im Dialog mit den Liftkassenkräften die 4000 Meter hohe Kommunikationsbarriere des Walliser Dialekts überwindet.

Blicken wir zuletzt nach Deutschland. Der Klimawandel macht dem niedrig gelegenen Brauneck am oberbayerischen Alpenrand zu schaffen, der Name ist auch im Winter ab und an Programm. Eltern – gerade die aus München – kann das nicht schrecken. Jahr für Jahr schicken sie ihre Kinder in eine der Skischulen, als wäre es in der bayerischen Verfassung vorgeschrieben. Vermutlich denken inzwischen viele, dass dem wirklich so ist. Was wiederum nachvollziehbar wäre, bei so vielen Übungshängen und derart liebenswerten Skilehrern, die insbesondere rund um die mit vier Zauberteppichen, Snowtubingbahn und Schneekarussell ausgestatteten „Villa Lustig“ herumwirbeln.

Die Bayern gelten als traditionsbewusst, und so halten einige bayerische Skigebiete verloren geglaubte Bezahltraditionen aufrecht, die für Familien erfreulich sind. Das Sudelfeld etwa hat noch die guten alten Punktekarten im Programm – ein Angebot mit Seltenheitswert und ein finanzieller Segen für Eltern, deren Kinder auf den Brettern noch nicht lange durchhalten, Stichwort: Durst, Hunger, Tränen, Klo. Wie auch das Skigebiet Großer Arber im BayerischenWald ist das sonnenverwöhnteGebiet gegenüber dem Wendelstein eher klein als groß, eher sanft als steil, eher gemütlich als aufgeregt und eher günstig als teuer.

Und mehr braucht es ja oft gar nicht, damit Skifahren auch mit kleinen Kindern richtig Spaß macht.
  
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