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Einrichten & Wohnen

Das Sofa als Spiegel der Seele

Noch nie gab es so viele Couchmodelle wie in dieser Saison. Der Trend heißt Vielfalt. Jeder findet, was zu ihm passt – das Sofa wird zum Objekt der Selbstverwirklichung

Möbel sagen etwas über ihre Besitzer aus – dieser junge Mann träumt vielleicht von einem klassisch-eleganten Couchtisch. Foto: Selimaksan / Getty images/istockphot
Möbel sagen etwas über ihre Besitzer aus – dieser junge Mann träumt vielleicht von einem klassisch-eleganten Couchtisch. Foto: Selimaksan / Getty images/istockphot
Hedda Möller

Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend“: Mit dieser Aussage erklären Einrichtungsexperten gern die Vielzahl unterschiedlicher Stilrichtungen, Formen, Farben und Materialien einer Möbelgattung, die Saison für Saison über die Besucher von Möbelausstellungen kommen. Besonders augenfällig ist dieses Phänomen im Bereich der Polstermöbel. Eindeutige Trend-Aussagen verbieten sich schon angesichts vollkommen gegenläufiger Modellvarianten einzelner Hersteller, wie ein Rundgang über die Möbelmessen in Köln und Mailand gezeigt hat. So präsentiert etwa der italienische Hersteller Living Divani die raumgreifende, bodennahe Sitz- und Liegewiese namens „Extrasoft“ des Designers Piero Lissoni, andererseits den kleinen, hochbeinigen Zweisitzer „Greene“ von David Lopez Quincoces.

Für Ursula Geismann, Sprecherin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), ist das Nebeneinander verschiedener Stile und Größen kein Widerspruch, sondern steht vor allem für den Wunsch nach Individualität – dem derzeitigen „Megatrend schlechthin“. „Die Vielfalt an Formen, Abmessungen und Qualitäten der Polstermöbel sowie die fast unübersichtliche Fülle an unterschiedlichen Farben, Designs und Haptiken der Bezugsstoffe zeigen vor allem das Bemühen der Hersteller, jeden Verbraucher und jede Nische zu bedienen“, so Geismann.
  
Mit den kleinen Polstergarnituren beispielsweise wollten die Hersteller Geismann zufolge „dieses Jahr verstärkt den Markt des ,Urban Living‘ ins Visier nehmen“. Diese Entwicklung hin zu kleinen Wohnungen und Mikroapartments zeige sich vor allem in deutschen In-Metropolen wie Berlin, Hamburg, München oder Köln, in denen die Nachfrage nach Wohnraum das Angebot oft weit übersteigt. Ursula Geismann: „Hier sprechen wir von insgesamt rund zehn Millionen Zielkunden, was natürlich interessant genug ist. Das Gros der Haushalte lebt jedoch nach wie vor auf weit größeren Flächen und verlangt nach entsprechend ausladenden Sitzgruppen.“
  
Eleganz in den Raum bringt das Sofa „Dress-Up” (rechts) des italienischen Edel-Herstellers Cassina. Foto: Gärtner Möbel/©Depasquale+Maffini
Eleganz in den Raum bringt das Sofa „Dress-Up” (rechts) des italienischen Edel-Herstellers Cassina. Foto: Gärtner Möbel/©Depasquale+Maffini
Zur Grundausstattung dieser Wohnzimmer gehöre „eine Sitz-Liege-Lümmel-Kombination“, mittlerweile gern mit Funktion, sprich: verstellbaren Elementen, die sich nach Bedarf verbreitern, drehen oder schwenken lassen, um verschiedene Liegepositionen oder Nutzungen zu ermöglichen.

Wie sich diese Vielfalt an Sofamodellen in den Showrooms des Hamburger Möbeleinzelhandels darstellt, zeigt ein Rundgang durch ausgewählte Fachgeschäfte. Erste Station ist die Wäscherei. Das Möbelhaus in der City Nord hat einen Großteil seiner rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche den Polstermöbeln gewidmet. Modelle aller Formen und Größen in verschiedensten Bezugsstoffen, Farb- und Designvarianten erschlagen den Besucher förmlich auf dem Rundgang durch die Abteilung. „Kleine“ Sofas in klassisch-eckiger oder plüschiger, organisch gerundeter Variante im Boudoir-Stil stehen neben ausladenden u-förmigen Sitzlandschaften oder Liegewiesen, wahlweise puristischeckig oder gewölbt, mit Füßen oder bodennah, mit oder ohne Knopfheftung, unifarben oder wild gemustert.

"Viele meiner Kunden passen alle drei oder vier Jahre ihre Einrichtung dem Lebensgefühl an"

Benjamin Urban, Designberater bei Bo Concept

„Wir bieten allen alles, das ist unser Prinzip“, sagt Hausherr Michael Eck. Zwischen No-Name-Produkten aus vorwiegend osteuropäischen Manufakturen oder aus der eigenen Wäscherei-Kollektion finden sich Sofas von Premium-Herstellern bis zum zehnfachen Preis, etwa Modelle von Rolf Benz, Timothy Oulton oder Sofas italienischer Hersteller wie Max Divani, F&T Salotti oder die mit gelbem Leder bezogene, elektrisch verstellbare Liegewiese von Bullfrog.
  
Gelbe Liegewiese, elektrisch verstellbar: das Sofa „Slide” des deutschen Herstellers Bullfrog. Foto: Die Wäscherei
Gelbe Liegewiese, elektrisch verstellbar: das Sofa „Slide” des deutschen Herstellers Bullfrog. Foto: Die Wäscherei
Bei den Bezugsstoffen dominieren Eck zufolge diesen Herbst Naturmaterialien wie Wildleder sowie griffige, raue Haptiken wie Bouclé-Stoffe oder Cord. Dazu korrespondieren Naturtöne in verschiedenen Abstufungen etwa gedecktes Gelb, Waldgrün sowie warme Beige- und Brauntöne.

Auch Samtbezüge in unterschiedlichsten Pastelltönen fallen ins Auge, oft in Ockergelb und Mint, auch in Gold oder schon in verschiedenen Meerestönen, den Pantone-Trendfarben des Jahres 2020. Auf vielen Sofas liegen Farbfächer, aus denen die Kunden ihren Wunschton wählen können.

Vielfalt findet sich auch bei Hello Home am Fischmarkt, allerdings ist hier die avisierte Käuferschicht kristallklar umrissen: „Wir wenden uns an designaffine Ersteinrichter, die keine Lust auf Ikea haben“, sagt Filialleiter Oliver Lundschin.
 
Viel Platz für alle: das Sofa „Guz” von F&T Salotti. Foto: Die Wäscher
Viel Platz für alle: das Sofa „Guz” von F&T Salotti. Foto: Die Wäscher
Die Sofas im elegant-reduzierten skandinavischen Stil gibt es in Form ausladender Übereck-Liegewiesen ebenso wie als flexiblen Zweisitzer. Samt sei auf dem Abmarsch, Cord groß im Kommen, so der Hausherr. Bei den Farben seien Erd- und Naturtöne sowie „Softblack“ die Favoriten der Saison.

Bei Bo Concept in der Nachbarschaft geht es an die Substanz. Designberater Benjamin Urban sieht einen engen Zusammenhang zwischen der Couch und der Psyche ihrer Besitzer. Da sich der Mensch ständig verändere und im besten Fall weiterentwickele, sei auch nach einigen Jahren ein neues Sofa fällig. „Viele meiner Kunden passen alle drei oder vier Jahre ihren Einrichtungsstil ihrem veränderten Lebensgefühl an“, sagt er. Das sofa als zentrales Wohnmöbel sei hier als erstes vom Austausch betroffen. „Oder sie kaufen eine neue, teurere Couch, um sich zu belohnen oder ihren Status zu zeigen.“
  
Verstellbar und vielseitig: Brühls Sofa „Roro Soft”. Foto: Cramer Möbel
Verstellbar und vielseitig: Brühls Sofa „Roro Soft”. Foto: Cramer Möbel
Wer es geschafft hat, wählt sein Wunschmodell gleich in der High-Endliga. Gärtner internationale Möbel vertritt unter anderem das Haus Cassina. Hier kommen Liebhaber opulenter Polsterlandschaften mit dem Modell „291 Dress-Up!“ (Designer: Rodolfo Dordoni) oder dem „Bowy“-Sofa von Patricia Urquiola auf ihre Kosten, Puristen und Anhänger klassischer Formen mit der Linie „Cotone“ vom Designergespann Ronan & Erwan Bouroullec. Rolf Benz präsentiert mit den Linien „Mera“ und „Ego“ klassisch-schlichte Eleganz, die Sitzlandschaft „Nuvola“ dagegen „lädt das Leben ein“. Für Furore sorgen in diesem Herbst dürfte „Dock“, das neue Sofa von B&B Italia von Designer Piero Lissoni. Dank seiner 84 Elemente bietet das modulare System zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten in jede Richtung des Raums. Das Modell steht exemplarisch für den schwierigen Spagat, Design und Funktion ästhetisch in Einklang zu bringen.

Bei Bornhold bürgen ebenfalls große Marken für Qualität, darunter Flexform, Frank Sitzmöbel (FSM), Walter Knoll, de Sede oder Poltrona Frau. Besonders groß ist hier die Auswahl hochwertiger Funktionsmöbel, die gleichzeitig mit hoher dDesignqualität überzeugen: etwa FSM mit dem Relax-Sessel „Shelby“ mit coolem Design, Wippfunktion und komfortablen Fußstütze sowie den Sofas „Claro“ und „Sesam“.

Der „Onsa Chair“ von Walter Knoll hat die Einkäufer mit fein justierbarer Arretiervorrichtung in jeder Neigung, weichem Polster und extrem dehnbarer Sitzschale überzeugt. „Bei Funktionssitzmöbeln ist Leder übrigens die beste, vom Hersteller meist empfohlene Wahl“, so Bornhold-Chef Wilko Schwitters. Leder mache nicht nur jede Bewegung mit, sondern sei extrem strapazierfähig. „Diese Beanspruchung würde kein Stoff aushalten.“

Auch Cramer Möbel bedient den Markt qualitätsbewusster Kunden – sowohl mit multifunktionalen Lounge- und Relaxmöbeln von Firmen wie Brühl oder Jori als auch besonders aufwendig verarbeiteten hochwertigen Modellen, z. B. von Flexform oder Baxter: „Bei diesen Objekten liegt der Schwerpunkt auf höchstem Sitzkomfort, feinsten Materialien und aufwendigen, aber gleichzeitig dezenten Details, die besonders dem Kenner ins Auge stechen“, so Inhaber Markus Cramer. Als Bezüge wählten die meisten Kunden samtig-weiche Stoffe und Leder, die „direkt ein warmes Gefühl vermitteln“. Steigendes Umweltbewusstsein – Stichwort: CO2-Fußabdruck – bewegt offenbar auch die Möbelbranche langsam zum Umdenken. „Reshoring“ – die Produktion der Sitzmöbel am originären europäischen Standort – sei für viele seiner Kunden mittlerweile ein entscheidendes Kaufkriterium. Markus Cramer: „Hersteller im hochwertigen Design-Segment haben diese Entwicklung bereits erkannt und ihre Produktion umgestellt.“

Räume & Träume

Die Zeit für Veränderungen

Claas Greite 

Die Jahreszeit mit dem wohl größten Imageproblem ist der Herbst. Frühling, sommer und Winter – sie alle haben positive Alleinstellungsmerkmale vorzuweisen. Als da wären: sprießendes Grün, lange Sonnentage und weihnachtliche Romantik. Aber der Herbst? Wenig auf der Haben-Seite, stattdessen fallende und auf Straßen und Wegen klebende Blätter, immer kürzere und kältere Tage und natürlich viel Nässe. Von oben. Gedenktage wie Totensonntag und Volkstrauertag gibt es wirklich nur im Herbst, und es ist wohl kein Zufall, dass jener, der das Wort „Herbstdepression“ googelt, recht viele Einträge erhält (etwa 80.000 sind es).

Aber wie so oft lohnt es sich, eine Blickumkehr zu riskieren, die Chancen im Widrigen zu sehen. Sturmböen und Regengüsse zwingen also zu ausgedehnten Aufenthalten in den eigenen vier Wänden – dann ist das vielleicht genau die Chance, sich diesen einmal ausgiebig zu widmen. Jetzt ist die ideale Zeit dazu, denn noch haben Weihnachtsbasteln, Weihnachtsbacken und die Jagd nach Geschenken nicht begonnen. Auf das Sofa und in den Sessel also, mit einer Decke und einem Buch – der Blick schweift wie beiläufig durch das Zimmer. Gibt die Stehlampe nicht doch eher ein kühles Licht? Passt der Teppich eigentlich wirklich zum Esstisch? Und, ganz ehrlich, wollten wir nicht schon lange einmal ausprobieren, wie es aussieht, eine Wand in einer ganz anderen Farbe zu streichen?

Gedanken wie diese muss man nur zu Ende denken, dann braucht es noch etwas Tatkraft – ein prall gefüllter Geldbeutel ist hingegen in den wenigsten Fällen notwendig. Etwas Farbe bekommt man im Baumarkt, interessante Möbel lassen sich sehr oft gebraucht kaufen, und ein Neu-Arrangement vorhandener Möbel kostet nur ein wenig Überlegung und Zeit. Lohn der Mühen ist nicht selten ein deutlich verbessertes Wohn- und Lebensgefühl. Der Herbst als Jahreszeit der Veränderung, der positiven (Einrichtungs-) Impulse? Warum nicht ...
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